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Aktuelles

 


Empathie und historisches Lernen

Im Herbst 2011 erscheint mein Band "Empathie und historisches Lernen - Eine Untersuchung zur theoretischen Begründung und Ausformung in Schulgeschichtsbüchern in der Reihe "Europäische Hochschulschriften im Frankfurter Lang-Verlag".

„Versetze dich in die Lage von…“ oder „Put yourself in the shoes of…“ kennt man aus deutschen und englischsprachigen Schulgeschichtsbüchern. Diese Aufforderung setzt an der menschlichen Fähigkeit an, sich in eine andere Perspektive hineinzudenken, hineinzuversetzen oder einzufühlen. Die vorliegende Analyse beschäftigt sich mit einer Bestandsaufnahme der deutschen, US-amerikanischen und britischen Empathie-Debatten und der Frage, inwieweit diese Debatten die länderspezifischen Lehrpläne und Lehrwerke beeinflusst haben. Bei der Analyse stellt sich das methodische Problem der Operationalisierbarkeit von Empathie. Aus der Bestandsaufnahme der Theoriedebatten und der Analyse von Lehrwerken in Deutschland, den USA und Großbritannien soll ein geschichtsdidaktisches Empathie-Modell entstehen. Mein Modell zu historische Empathie ist als "Work in Progress" anzusehen. Dies betrifft vor allem die Graduierung von Indikatoren zur (gelungenen) Umsetzung im Verstehen von historischen Personen- und Gruppenperspektiven im Kontext von Multiperspektivität und Kontextualisierung. Hierbei spielen bestimmte Kompetenzen im historischen Lernen eine wichtige Rolle: Erschließungs-, Interpretations- und Methodenkompetenz. Eine entsprechende Fortentwicklung des Modells erfolgt 2012.

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School History Textbooks Across Cultures

Die angloamerikanische Geschichtsdidaktik war in den vergangenen Jahren vor allem im Bereich der theoretischen Fundierung von "Historical Empathy" wegweisend. Auch im Bereich eines international vergleichenden Ansatzes von Schulgeschichtsbüchern und Curricula im historischen Lernen sind jüngst Forschungsergebnisse vorgelegt worden, die auch die deutsche Geschichtsdidaktik zur Kenntnis nehmen sollte. Hiervon zeugt der Band von Jason Nicholls, erschienen be Symposium Books.

Niccholls beschäftigt sich hierbei hierbei mit folgenden Grundfragen: Welchen Beitrag leisten Schul-geschichtsbücher zum Geschichtsbewusstsein? Welche Debatten und Themenfelder begleiten ihre spezifische Entwicklung, Produktion und Vertrieb? Der Band beinhaltet Beiträge aus US-ameri-kanischer, italienischer, japanischer, deutscher, französischer, russischer und englischer Sicht und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Internationalisierung geschichtsdidaktischer Positionen und zum Ländervergleich bei der Betrachtung von Schulgeschichtsbüchern. Gerade die länderspezifischen Probleme und Tendenzen öffnen die nationale geschichtsdidaktische Debatte für einen Ländervergleich im Bereich der Schulbuchanalyse. Der deutsche Beitrag stammt von Falk Pingel, der als langjähriger Mitarbeiter des GEI in der internationalen Schulbuchforschung tätig war. Stuart Foster und Sherry Field sind seit den 1990er Jahren durch ihre Arbeit im Kontext der angloamerikanischen Debatten um "Historical Empathy" bekannt. Folgende Beiträge enthält der Sammelband:

Jason Nicholls: Introduction / School History Textbooks across Cultures from the Perspective of Comparative Education

Stephen J. Thornton: What Is History in US History Textbooks?

Luigi Cajani. Italian History Textbooks on the Brink of the Twenty-first Century

Masato Ogawa & Sherry L. Field: Causation, Controversy and Contrition: recent developments in the Japanese history textbook content and selection process;

Falk Pingel. Reform or Conform: German reunification and its consequences for history schoolbooks and curricula

Marina Erokhina & Alexander Shevyrev: Old Heritage and New Trends: school history textbooks in Russia

Keith Crawford & Stuart Foster. The Political Economy of History Textbook Publishing in England

Marie-Christine Baquès: History Textbooks in France: between national institutions, publishers and teaching practice

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Die Natur der Empathie: Vortrag von Frans de Waal an der FU Berlin

Der bekannte Evolutionspsychologe und Professor für Primatenverhalten Frans de Waal hält am 11. April 2011 einen Vortrag an der Freien Universität Berlin. In diesem führt Frans de Waal die Ergebnisse seiner langjährigen Studien in der These zusammen, dass viele Tiere und der Mensch von Natur aus empathisch seien. Er widerspricht damit der Annahme, der Mensch sei grundsätzlich egoistisch und nur Kultur ermögliche ihm moralisches Verhalten. Der Vortrag in der Reihe „Talking Emotion“ des Exzellenzclusters „Languages of Emotion“ ist öffentlich, der Eintritt frei.

Frans de Waal wurde 1948 in den Niederlanden geboren und forscht seit Anfang der 1980er Jahre in den USA. In zahlreichen Sachbüchern wie „Der Affe in uns“ oder „Primaten und Philosophen“ hat de Waal immer wieder auf kooperative Verhaltensweisen der nächsten Verwandten des Menschen aufmerksam gemacht. Neben dem Kampf um Nahrung und der kriegerischen Auseinandersetzung um Territorien sei auch die Fähigkeit zur Bindung und zum Zusammenleben in Gruppen Tieren wie Menschen angeboren. 2011 erschien sein neuestes Buch „Das Prinzip Empathie. Was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können“ auf Deutsch.

Zeit und Ort

  • Frans de Waal: Empathy and Emotional Communication: Primate Origins
  • Montag, 11. April 2011, 18.15 Uhr
  • Hörsaal 2, Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin, U-Bhf. Dahlem-Dorf oder Thielplatz (U3)

Fragen

Dr. Nina Diezemann, Cluster Languages of Emotion, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Telefon: 030 / 838-57864, E-Mail: nina.diezemann@fu-berlin.de

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Süddeutsche Zeitung: Zum Konzept der Spiegelneuronen und dem Streit über Empathie

In einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung wAktuelle Befunde der Neurowissenschaften zeigen, dass es eine biologische Basis von Empathie gibt. Spiegelneuronen spielen eine wichtige Rolle bei sozialkognitiven Prozessen, in denen eine Person die Fähigkeit erwirbt, die Gedanken und Gefühle eines anderen (als wären es die eigenen) zu verstehen und trotzdem in der Lage ist, eine Distanz zu wahren. Die These eines Empathie-Netzwerks im Gehirn ist auch für die Geschichtsdidaktik insoweit relevant, da seit den 1980er Jahren immer wieder die Möglichkeit zur Operationalisierung von Empathie für das historische Lernen postuliert und Zusammenhänge zu sozialkognitiven Prozessen aufgezeigt wurden. Die geschichts-didaktisch-theoretische Forschung blieb jedoch die Entwicklung von Begriffen und Kategorien schuldig und konnte das Konstrukt nicht nutzbar machen. Die neueren Befunde der Neurowissenschaften beleben gerade die Diskussion um die Zusammenhänge zwischen Empathie und sozialkognitiven Prozessen. Auch für das Konstrukt der historischen Empathie als Erkenntnismittel in historisch-hermeneutischen Prozessen könnte diese Debatte von wegweisendem Interesse sein. Der Bezug zum vielschichtigen Konstrukt des Einfühlungsvermögens erscheint jedoch höchst problematisch. Die Übersetzung von Empathie in Einfühlungsvermögen dürfte für das historische Lernen kaum tragfähig sein, da eine derart verstandene Empathie nicht problematisiert. Dennoch erscheint mir der Artikel von Hubertus Breuer höchst lesenswert.

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© Dr. Frank Baring, 2001-2012